Nachdem Anja, Evelyne und Janine mich mit Pizza und Tee versorgt und sich jetzt auf den Weg ins Zentrum gemacht haben, finde ich mal wieder Zeit, den Blog zu aktualisieren und von den letzten Tagen zu erzählen. Denn – ich bin krank. Was mich nicht weiter wundert, wenn ich an die Temperaturen in meinem Zimmer denke. Die anderen Mädls habens gut erwischt, ihr Zimmer ist auf der Sonnenseite und die Zimmer und Mauern scheinen sich tagsüber so gut aufzuheizen, dass sie nicht so frieren wie ich. Ich sitz hier mit 3 Schichten und einer Decke, in der Nacht schlaf ich sowieso schon nur mehr mit mehreren Leiberl und Pullis, heute kamen sogar noch Socken und eine extra Decke dazu. Man kann und darf hoffen, dass die Heizung bald an ist. Befürcht allerdings eher nicht, wo mittlerweile draußen wieder sehr warmes und schönes Wetter ist. Nun gut, … also weiter mit Tee und Tabletten versorgen. Und einen Heizstrahler auftreiben, wenns nicht besser wird. Nun aber zu den letzten beiden Wochen…
Mittlerweile hab ich die zweite Uniwoche hinter mir und erschreckenderweise hab ich am Mittwoch erfahren, dass ich in 2 Wochen in “Storia del Giornalismo” schon meine erste Prüfung hab. Und das noch dazu auf Italienisch! Non mi piace! Kaum raus aus der Vorlesung hab ich mich auch schon auf der Suche nach dem Buch für die Prüfung gemacht, was hier in Siena allerdings nicht so einfach ist, wenn man Kommunikationswissenschaften studiert und nicht wie 95% aller anderen Studenten Jus oder Wirtschaft. Sämtliche Buchhandlungen, auch die Librerias Universitaria sind mit Jus- und Wirtschaftsbüchern gefüllt. Mein Fach ist den Senesen grad mal ein Regal wert und selbst da bekommt man das Buch nicht auf Anhieb. Aber – ich hatte Erfolg und hab es doch noch ergattert. Halbwegs motiviert wollt ich zu lesen beginnen. Wenn es denn nur so einfach wär. Also Fachbücher auf Italienisch zu lesen ist nicht so toll. Naja, mal sehen wie das noch wird, etwas Zeit ist ja noch bis zur Prüfung. Die andre Vorlesung (Linguaggi dei Media) ist sehr in Ordnung und interessant – noch dazu auf Englisch!
Letzten Freitag haben wir dann das sommerliche Wetter genützt und sind zu viert nach Florenz gefahren. Anja, Janine, Mara und ich. Relativ früh ging’s mit dem Zug von Siena los, eineinhalb Stunden später waren wir dann in Florenz. Zugfahren in Italien ist übrigens erstaunlicherweise sehr günstig, hätte ich mir nicht gedacht. Wenn dann zumindest auch noch Verlass auf die Züge wäre, wär’s perfekt. Haben uns dann direkt auf den Weg zum Dom gemacht und diesen sogar von innen besichtigt. Wobei ich sagen muss, dass mich das ziemlich enttäuscht hat. Wenn man hingegen den Dom von Siena sieht, verschwindet das Innere des Florenzer Doms dagegen völlig. Auch wenn er von außen einfach toll aussieht. Sind dann einige Stunden durch Florenz spaziert, haben uns die Uffizien, die Ponte Vecchio, den Mercato, Dante’s Geburtshaus, etc. angesehen, waren lecker Mittagessen und haben dann noch bisschen geshoppt bevor wir am späten Nachmittag wieder mit dem Zug retour nach Siena sind. Fotos gibt’s übrigens online schon zu sehen.
Abends sind wir dann noch in’s Bella Vista Social Pub gegangen, ein sehr gemütliches und kleines Lokal im Zentrum, mit ziemlich studentenfreundlichen Preisen. Aber wie alles hier in Siena, was sich abends zum ausgehen eignet, wurde auch dieses Lokal schon von etlichen ERASMUS-Studenten (vor allem Spaniern) entdeckt. Spanier gibt es hier übrigens wie Sand am Meer, angeblich sind 250 Spanier in der Stadt. Eine Stunde bevor unser letzter Bus retour ging, sind wir dann noch zur Fortezza gegangen, wo das “Festa di Ottobre” stattfand. Also die italienische Ausgabe des Oktoberfestes. Aber immerhin standesgemäß mit deutschem Bier und deutscher Musik, denn immerhin waren die Wirten aus Deutschland. Die Stimmung war allerdings alles andere als Oktoberfest-Like die Italiener sollten also wohl doch besser weiterhin nach München fahren.
Am Samstag haben wir dann – entgegen unserer Aussage die Woche zuvor – doch noch einmal das Abenteuer Essenza gewagt. Da die Gruppo Erasmus mal wieder eine riesengroße ERASMUS-Welcome Party angekündigt hat und alle ERASMUS-Studenten dorthin unterwegs waren, wollten wir also auch nochmal mitkommen und uns überzeugen lassen, dass es besser sein kann als das letzte Mal. Was schlussendlich eigentlich auch gelang. Es gab sogar Nudeln, Wein und Sekt sowie eine ERASMUS-Torte von der Gruppo Erasmus als ‘Begrüßung’ an uns alle und die Stimmung war auch besser als das letzte Mal, allerdings ist die Busfahrerei und der Stress den letzten Bus zu erwischen einfach viel zu mühsam, um das ganze öfters mitzumachen.
Die vergangene Woche war dann nicht sonderlich aufregend, Highlight für mich war der Donnerstag, als wir abends ins Zentrum gefahren sind, um zum Festa della Contrada zu gehen. Siena ist bekanntlich ja in 17 Contraden (Stadtteile) unterteilt, welche im Juli und August am Palio teilnehmen und der Sieger feiert wochenlang den Erfolg. So eben die Contrada del Leocorno, welche in dieser Woche noch einmal so richtig feierte. Gänzlich versteckt in einem kleinen Vicolo wurde so richtig traditionell gefeiert. Am ‘Eingang’ der kleinen Gasse musste man den Euro in Gingillo umwechseln lassen, um überhaupt etwas bezahlen zu können. Mit Kerzen war der Weg dann ausgeleuchtet und die Einwohner feierten lautstark mit traditioneller, alterstümlicher Kleidung, lautem Gesang und Musik. Ziemlich beeindruckend, vor allem da sich diese kleine Gasse perfekt für dieses Fest eignete und man sich gleich um einige Jahre in der Zeit zurückversetzt fühlte.
Seit gestern Abend/Nacht bin ich jetzt also mehr oder weniger an Zuhause gefesselt und versuch mich mit Tee und Aspirin C wieder aufzupeppeln, was mir hoffentlich bald gelingt, da ich eigentlich ab heute 4 Tage frei hätte. Noch dazu ist jetzt das Wetter wieder toll, also wird das hoffentlich bald wieder was mit sonnen und Wärme genießen am Campo. Übrigens verstehen die Italiener nicht, was wirklich gute Teesorten bedeuten. Hab heute feststellen müssen, dass sie mit Vorliebe Schwarztee von allen möglichen Firmen vertreiben, aber nicht imstande sind, ordentlichen Früchtetee oder dergleichen anzubieten. Aber gut, die Italiener können sich noch so einiges von uns abschauen.
Fotos von Florenz, dem Festa della Contrada sowie meinem italienischen Alltag sind wie immer online zu finden. Achja – in einer Pause zwischen zwei Vorlesungen hab ich mir übrigens auch den Dom in Siena angesehen und hab die Aussichtsplattform erklommen, wo ich einen tollen Ausblick auf Siena hatte. Auch diese Fotos sind im Webalbum zu finden: zum Fotoalbum.